Panorama 2025/2026


»Zeigen, wie vielstimmig das kultu­relle Erbe dieser Region ist« – Ein Interview mit Kerstin Dembsky, der neuen wissenschaft­lichen Mitar­bei­terin am Westpreu­ßi­schen Landes­museum
(Die Fragen im Interview mit Kerstin Dembsky stellte Alexander Klein­schrodt, 2/2026, S. 6f.)

Zeugnisse der mittel­al­ter­lichen Bebauung Thorns – Neue archäo­lo­gische Funde unterhalb des Nikolaus-Kopernikus-Hauses
(Zuzanna Foss, 2/2026, S. 8)

Ein neuer Erinne­rungsort der Stadt­ge­schichte – Einwei­hungs­feier in Rahmel 
(Magdalena Pasewicz-Rybacka, 2/2026, S. 9)


»Fahren Sie zur Stadt, Schaffner?«
Seit 130 Jahren verkehrt in Elbing eine Straßenbahn
(Brigitte Gawron-Strazzer, 1/2026, S. 5f.)

Chrono­lo­gische Stationen zur Geschichte der Elbinger Straßenbahn
(Brigitte Gawron-Strazzer, 1/2026, S. 6ff.)

Geste der Versöhnung
Resti­tution von Kultur­gütern aus Warschau und der Marienburg
(Marek Dziedzic, 1/2026, S. 9)


In einem stillen Erden­winkel: Ein Spaziergang über die Elbinger Höhe
(Brigitte Gawron-Strazzer, 4/2025, S. 6)

Ein Phönix aus der Asche. Die Kirche von Fischau wird wieder­errichtet
(Bartosz Skop, 4/2025, S. 9f.)

Ein Westpreuße, der ein gesamt­deut­sches Original wurde. Zum Tod des Schau­spielers Horst Krause (1941­–2025)
(Burkhard Burau / WP-Redaktion, 4/2025, S. 9f.)


Ein unent­behr­licher Beitrag zur deutschen Erinne­rungs­kultur. Das Westpreu­ßische Landes­museum konnte sein 50-jähriges Bestehen feiern
(Erik Fischer, 3/2025, S. 6ff.)

Filmar­chäo­logie statt Geschichtsdoku. Hermann Pölkings Kinofilm Ostpreußen – Entschwundene Welt. Die Jahre 1912 bis 1945
(Alexander Klein­schrodt, 3/2025, S. 9f.)

Das Pompeji von Thorn
(Zuzanna Foss, 3/2025, S. 10f.)


»Eine ganz andere Klientel im Haus als sonst« – Seit April 2024 leitet Martin Koschny kommis­sa­risch das Westpreu­ßische Landes­museum
(Die Fragen im Interview mit Martin Koschny stellte Alexander Klein­schrodt, 2/2025, S. 6f.)

Begegnung mit dem Danziger Auerochsen. Die früheren Wehran­lagen laden zu erhol­samen Spazier­gängen ein
(Ursula Enke, 2/2025, S. 8ff.)


Notizen aus …

Regel­mäßig berichten Korre­spon­den­tinnen und Korre­spon­denten aus der Dreistadt und den größeren Städten – neben Danzig, Zoppot und Gdingen werden dabei Elbing, Marienburg, Graudenz, Thorn und Bromberg berück­sichtigt. Die „Notizen“ infor­mieren somit in bunter Folge und breit gestreut über aktuelle Vorgänge in der Region.

Notizen aus …

… der Dreistadt

Einzig­ar­tiges Erbe: Gotische Portaltür der Danziger Marien­kirche wird restau­riert Die histo­ri­schen Portale mehrerer Sakral­bauten der Stadt Danzig gelten europaweit als exzep­tionell. Nun steht ein besonders monumen­tales Pracht­stück vor einer umfas­senden Sanierung: Das gewaltige Eingangstor der Marien­kirche, auf das die Frauen­gasse zuläuft, soll aufwendig konser­viert und in seinem histo­ri­schen Erschei­nungsbild wieder­her­ge­stellt werden.

Wie Dr. hab. Katarzyna Darecka vom Danziger Museum (Muzeum Gdańska) betont, ist die Bauweise dieses Tors im konti­nen­talen Vergleich absolut einmalig. Das zu Beginn des 16. Jahrhun­derts gefer­tigte Portal basiert auf massiven, vertikal angeord­neten Holzbohlen. Darauf ist ein Gitterwerk in Form von Rauten aufge­setzt, die ihrer­seits filigran mit hölzernen, vierblätt­rigen Maßwerk-Motiven ausge­füllt werden. Fixiert ist die gesamte Konstruktion mit kunst­vollen, roset­ten­för­migen Ziernägeln. Dass in Danzig trotz der enormen Zerstö­rungen des Zweiten Weltkrieges insgesamt zehn solcher gotischen Türen überdauert haben – darunter auch in der Dreifaltigkeits‑, Johannes- und Nikolai­kirche –, gilt in der Fachwelt als Sensation.

Die anste­hende Restau­rierung wird zudem mit dem gängigen Vorurteil aufräumen, histo­rische Kirchen­türen müssten düster oder schwarz sein. Akribische Unter­su­chungen von Pigment­resten haben gezeigt, dass das Spätmit­tel­alter überra­schend farbenfroh war:  Während die Innen­seite des Tores vollständig in inten­sivem Rot gehalten war, erstrahlte die Außen­seite ursprünglich in einem kräftigen Rot und Olivgrün. Ziel der nun anlau­fenden Arbeiten ist es, nach der stati­schen Sicherung genau diese histo­rische Farbpa­lette origi­nal­getreu freizu­legen und zu rekon­stru­ieren, um dem Portal seinen Glanz aus dem Jahr 1500 zurückzugeben.

Meilen­stein für das Gedenken: Grund­stein für neues Westerplatte-­Museum gelegt Auf der histo­ri­schen Halbinsel Wester­platte, auf der jüngst erst das Besucher­zentrum  »Schlachtfeld Wester­platte« eröffnet worden ist (WP 4/2025), wurde nun feierlich der Grund­stein für das neue Westerplatte-Museum gelegt. Die zukünftige Kultur­ein­richtung wird als eigen­ständige Außen­stelle des Danziger Museums des Zweiten Weltkrieges reali­siert. Nach aktuellem Zeitplan soll das geschichts­trächtige Großprojekt bis zum Jahr 2030 vollständig fertig­ge­stellt sein. Das polnische Minis­terium für Kultur und natio­nales Erbe stellt für das Bauvor­haben finan­zielle Mittel in Höhe von über 304 Millionen Złoty zur Verfügung.

Das Museum entsteht direkt an jenem symbol­träch­tigen Ort, an dem am 1. September 1939 mit dem Beschuss der polni­schen Stellungen der Zweite Weltkrieg in Europa ausbrach. Das überge­ordnete Leitmotiv des Projekts ist eine unmiss­ver­ständ­liche Mahnung: »Nie wieder Krieg!« (Nigdy więcej wojny!). Im Zentrum der Planungen steht ein moderner, teils unter­ir­di­scher Museums­komplex mit einer Nutzfläche von rund 7.000 Quadrat­metern. Knapp 2.800 Quadrat­meter davon sind für eine Dauer­aus­stellung reser­viert, die den heroi­schen Abwehr­kampf der polni­schen Garnison, das persön­liche Schicksal der Soldaten sowie die histo­rische Entwicklung der Halbinsel multi­medial beleuchtet.

Ein beson­deres Anliegen der Denkmal­schützer ist die etappen­weise Rekon­struktion des ehema­ligen Militä­ri­schen Umschlags­depots (Wojskowa Składnica Tranzytowa) im Zustand der 1930er Jahre. So wird unter anderem das einstige Muniti­ons­lager origi­nal­getreu und genau an der Stelle wieder­auf­gebaut, an der nun der Grund­stein einge­mauert wurde.

Professor Rafał Wnuk, Direktor des Museums des Zweiten Weltkrieges, betonte während der Zeremonie den Anspruch, einen hochka­rä­tigen Bildungs- und Gedenkort zu schaffen, der jährlich Tausende Menschen anziehen soll. Danzigs Stadt­prä­si­dentin Aleksandra Dulkiewicz hob hervor, dass die Wester­platte fest im Identi­tätskern der Stadt verwurzelt sei und das neue Areal als Brücke für den inter­na­tio­nalen Dialog dienen müsse. Während die archäo­lo­gi­schen Ausgra­bungen und Erdar­beiten auf dem Gelände noch andauern, sollen erste fertig­ge­stellte Abschnitte des histo­ri­schen Außen­be­reichs bereits in der zweiten Jahres­hälfte 2027 wieder für die Öffent­lichkeit und den Tourismus freige­geben werden.

Geste des Gedenkens und der Koope­ration Im Rahmen einer gemein­samen Auslands­reise haben Spitzen­po­li­tiker aus Norddeutschland am Danziger Denkmal für die Vertei­diger der Polni­schen Post ein deutliches Zeichen des histo­ri­schen Gedenkens und der partner­schaft­lichen Verbun­denheit gesetzt. Schleswig-Holsteins Minis­ter­prä­sident Daniel Günther (CDU) und Hamburgs Erster Bürger­meister Peter Tschent­scher (SPD) legten in ­einer feier­lichen und stillen Zeremonie Kränze nieder, um den helden­haften Wider­stand der polni­schen Postbe­amten gegen die deutschen Invasoren am 1. September 1939 zu würdigen.

Dass Danzig die erste Station der gemein­samen Reise der beiden norddeut­schen Regie­rungs­chefs war, ist kein Zufall. Bei ihrem anschlie­ßenden Empfang im Recht­städ­ti­schen Rathaus durch Danzigs Stadt­prä­si­dentin Aleksandra Dulkiewicz hoben die Politiker die erheb­liche Bedeutung der wirtschaft­lichen und maritimen Koope­ration im Ostseeraum hervor. Danzig verfügt heute über einen der größten und modernsten Seehäfen Europas, während Hamburg als zentraler Handels­kno­ten­punkt an der deutschen Nordeeküste fungiert. Die Inten­si­vierung dieser hansea­ti­schen Hafen- und Handels­part­ner­schaften soll die wirtschaft­liche Stabi­lität in Nord- und Mittel­europa weiter festigen.

Neben den wirtschaft­lichen Aspekten spielten bei dem Arbeits­besuch auch geopo­li­tische Fragen eine zentrale Rolle. Günther und Tschent­scher betonten, dass die Reise in Zeiten inter­na­tio­naler Spannungen auch ein klares Signal der Solida­rität an die osteu­ro­päi­schen Nachbarn senden soll. Man stehe geschlossen hinter den gemein­samen Werten und sei fest entschlossen, einen verläss­lichen Beitrag zur Stärkung des NATO-Bündnisses und zur Sicherheit in der Ostsee­region zu leisten. Adrian Wojta­szewski

Adrian Wojta­szewski

 … Elbing

Elbings Orien­tierung nach Westen Die Stadt will sich der geplanten Metro­pol­region des Danziger Pommern (Pomorze) anschließen, über deren Bildung im Rahmen eines Gesetz­ge­bungs­ver­fahrens sowohl der Sejm als auch der Senat in Warschau beraten haben. Diese »Metropole« soll Regionen und Städten rund um die Dreistadt zusam­men­schließen und zwischen ihnen mannig­fache enge Koope­ra­tionen – von der Wirtschaft über die Kommu­nal­ver­waltung bis zum öffent­lichen Verkehr – ermög­lichen. Mit dieser Teilhabe bemüht sich Elbing darum, die alten organi­schen Bindungen an Danzig wieder­zu­be­leben und zu stärken, denn die 1999 vollzogene Zuordnung der Stadt zur Woiwod­schaft Ermland und Masuren – und damit zu Allen­stein – hat sich bislang nicht zuletzt aufgrund der erheb­lichen Entfernung als wenig vorteilhaft erwiesen und wird von vielen Bürgern auch weiterhin abgelehnt. – Bei den Beratungen forderten die Abgeord­neten der PiS zwar, dass Elbing die Grenzen der eigenen Woiwod­schaft respek­tieren solle, und sprachen sich deshalb gegen das Anliegen der Stadt aus. Glück­li­cher­weise wurden diese Einwände beim Beschluss über den Metro­pol­verband vom Senat aller­dings nicht berück­sichtigt. Nun wartet das Gesetz auf die Unter­schrift des Präsi­denten Karol Nawrocki.

Bahnhofs­re­no­vierung Das in Fachwerk­bau­weise errichtete Bahnhofs­ge­bäude von Grunau (Gronowo Elbląskie) stammt noch aus den 1850er Jahren, in denen dieser Abschnitt der Ostbahn gebaut wurde. Nun soll es bald grund­legend renoviert werden. Die Pläne liegen vor, und die Polnische Staatsbahn hat bereits die entspre­chenden Ausschrei­bungen veröf­fent­licht. Unter den Bedin­gungen, dass dabei den Erfor­der­nissen des Denkmal­schutzes Genüge getan wird, kann das Gebäude nun moder­ni­siert und an die heutigen Standards angepasst werden. Es wird jedoch nicht nur den Reisenden dienen, denn die Gemeinde hat sich verpflichtet, Räumlich­keiten mit einer Gesamt­fläche von rd. 300 m² für das Sozialamt, die Öffent­liche Bibliothek sowie das Standesamt anzumieten. Dank dem Umbau wird der Bahnhof gänzlich barrie­refrei, und auch seine Umgebung wird durch neue Trottoirs und Parkplätze sowie eine gärtne­rische Gestaltung der Grünflächen deutlich an Attrak­ti­vität gewinnen. 

Bartosz Skop

… Marienburg

Reani­mierung der Strecke 256 Die histo­rische Bahnstrecke 256 durch das Werder erwacht zu neuem Leben. Nach jahre­langem Still­stand und kuriosen Rückschlägen – wie dem Diebstahl von mehreren hundert Metern Gleisen im Jahr 2015 – haben die Sanie­rungs­ar­beiten begonnen. Ziel ist die Wieder­an­bindung von Tiegenhof und Neuteich (Nowy Staw) ans Schie­nennetz. Für Vizemar­schall Leszek Bonna steht nach der Einigung mit dem Netzbe­treiber definitiv fest: »Es werden wieder Züge fahren.«

Diese Entscheidung ist ein Meilen­stein für den letzten Landkreis der Woiwod­schaft Pomorze, der bislang noch vom Bahnverkehr abgeschnitten war. Neben der Alltags­mo­bi­lität bietet das Projekt enorme kultu­relle und touris­tische Chancen. Wie schon während einer kurzen Renais­sance bis 2013 können Reisende bald wieder die idyllische Landschaft des Deltas erkunden. Im Sommer lockt zudem der Umstieg auf die histo­rische Schmal­spurbahn direkt an die Ostseestrände.

Aktuell werden fehlende Gleise ersetzt und Bauschutt entfernt, um die grund­le­gende Befahr­barkeit wieder­her­zu­stellen – eine umfas­sende Moder­ni­sierung folgt später. Es ist ein kraft­volles Signal für eine Region, die Geschichte, sanften Tourismus und Mobilität klug mitein­ander verbindet.

Kata-Meisterin Großer Erfolg – die Marien­bur­gerin Marta Kaczyńska vom Karate-Club Kwidzyn Nippon (hier mit einem Offizi­ellen des Verbandes) erkämpfte sich bei den Europa­meis­ter­schaften im Kyokushin-Karate im bulga­ri­schen Warna eine Bronze­me­daille. In der eng umkämpften Disziplin Kata (Alters­klasse 35–49) trennten die drei Podiums­plätze nur jeweils 0,1 Punkte vonein­ander. Nach dem Vize-Titel im Vorjahr hat Sensei Kaczyńska damit eindrucksvoll ihren Platz in der europäi­schen Elite gefestigt. 

Das neue Alte Rathaus Die Sanierung des Alten Rathauses – und die Errichtung des modernen Anbaus – nähern sich ihrer Vollendung. Das anspruchs­volle Projekt gibt dem Gebäude unter strenger Aufsicht des Denkmal­schutzes seinen histo­ri­schen Charakter zurück und macht es gleich­zeitig zukunftsfähig.

Während die Fassade, das Dach sowie der Vorplatz samt Brunnen mit der Statue des Armbrust­schützen fertig sind, liegt der Fokus aktuell auf dem Innen­ausbau. Die Integration moderner Technik in das alte Gebäude forderte die Planer heraus, wobei ein wunder­barer Zufallsfund das Projekt krönte: Bei den Arbeiten wurden histo­rische Wandma­le­reien (Polychromien) entdeckt, die nach Abschluss der Renovierung für Besucher ebenfalls zugänglich sein werden.

Die Fertig­stellung ist für Spätsommer 2026 geplant. Danach kehrt wieder Leben in das Herz der Altstadt zurück: Das histo­rische Rathaus wird dann zu einem zentralen Treff­punkt für Ausstel­lungen, Kunst­kurse und kultu­relle Begegnungen.

Besuch eines Filmstars Oscar-Preisträger Jeremy Irons besich­tigte am 3. Juni die Marienburg. Museums­füh­rerin Jagoda Gmyrek erlebte den briti­schen Schau­spieler dabei als überaus herzlichen und inter­es­sierten Gast. Der 77-Jährige hält sich aktuell in der Stadt auf, weil er hier für eine Neuver­filmung des Kult-Klassikers »Highlander« vor der Kamera steht. 

Marek Dziedzic

… Thorn

Das »Haus unter dem Stern« erstrahlt aufs Neue  De histo­rischen Patri­zi­er­häuser von Thorn bergen viele faszi­nie­rende Geschichten. Zu den bekann­testen Gebäuden zählt sicherlich das »Haus unter dem Stern« (Kamienica pod Gwiazdą) am Altstädter Markt­platz 35, mit seiner spätba­rocken, von einem goldenen Stern gekrönten Pracht­fassade. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhun­derts erbaut, ist seine heutige Form das Ergebnis zahlreicher Umbauten und Renovie­rungen. Namhafte histo­rische Persön­lich­keiten gingen hier im Laufe der Jahrhun­derte ein und aus: darunter der italie­nische Humanist und Diplomat Filippo Buonac­corsi – Erzieher der Söhne von König Kasimir IV. Jagiello und Freund der Familie von Nikolaus Koper­nikus – sowie Prinz Jerzy Dominik Lubomirski, der im Jahr 1724 an der Unter­su­chung des »Thorner Tumults« beteiligt war.

Seit 1970 beher­bergt das markante Gebäude eine weit über die Stadt­grenzen hinaus bekannte Zweig­stelle des Thorner Bezirks­mu­seums, die auf die Sammlung fernöst­licher Kunst spezia­li­siert ist.  Dieses renom­mierte Museum wurde sieben Monate lang einer gründ­lichen Renovierung unter­zogen, die sowohl die kostbare Bausub­stanz der histo­ri­schen Fassade als auch sämtliche Ausstel­lungs­räume umfasste; überdies wurde die Dauer­aus­stellung auf allen Etagen neu konzi­piert, und so konnte am 10. April ein weitgehend moder­ni­siertes Haus – das nun den Namen »Museum für asiatische Kunst« (Muzeum Sztuki Azji) trägt – feierlich wieder­eröffnet werden.

Neben optisch aufge­wer­teten Innen­räumen sorgen jetzt moderne Multimedia-Kioske und Audio-Guides für ein zeitge­mäßes inter­ak­tives Museums­er­lebnis. Zudem stehen den Besuchern ab sofort zwei spezia­li­sierte Besich­ti­gungs­routen zur Auswahl: eine, die sich der asiati­schen Kunst widmet, und eine zweite, die sich explizit auf die Archi­tektur und Geschichte des Gebäudes selbst konzen­triert. Das Herzstück des Hauses bleibt dabei auch weiterhin die Ausstellung »Die Welt des Orients«. Sie geht maßgeblich auf den Sammler Tadeusz Wierzejski (1892­–1974) zurück, der wertvolle Artefakte aus China, Japan, Tibet, Siam und Indien – darunter Gemälde, Holzschnitte, Skulp­turen, Samurai-Waffen, Keramiken und Textilien – zusam­men­ge­tragen hat.

Ein beson­deres Highlight erwartet die Besucher zudem im Innenhof des Gebäudes. Während der Sommer­saison lädt dort ein über 200 Quadrat­meter großer, asiatisch gestal­teter Garten inklusive eines tradi­tio­nellen Teepa­villons zum Verweilen ein. Auch wenn Asien geogra­fisch weit von der Weichsel entfernt liegt, gelingt dem »Haus unter dem Stern« ein faszi­nie­render Brücken­schlag, der Besucher beim Betreten augen­blicklich in eine Welt voller Mystik, Tradition und neuer ästhe­ti­scher Erfah­rungen entführt.

Wissen­schaft trifft Kunst: Ein Festival bewegt Thorn Was verbindet mittel­al­ter­liche Flößer, hochmo­derne Labora­torien und eine Kino-Diva der 1930er Jahre mitein­ander? Sie alle fanden vom 24. bis zum 27. April eine Bühne auf dem 24. Thorner Festival für Wissen­schaft und Kunst (Toruński Festiwal Nauki i Sztuki) – ein Austausch, der von der Nikolaus-Kopernikus-Universität, dem Rathaus und der »Wissen­schaft­lichen Gesell­schaft« der Stadt gemein­schaftlich organi­siert wurde. Ziel der Großver­an­staltung war es, über parti­zi­pative und trans­dis­zi­plinäre Wissen­schafts­kom­mu­ni­kation eine Brücke zwischen Forschung, Kunst und der Gesell­schaft zu schlagen; aus diesem Grund gehört das Festival auch dem in diesem Bereich führenden europäi­schen Netzwerk der European Science Engagement Association (EUSEA) an.

Neben Mitar­beitern der Univer­sität betei­ligten sich zahlreiche lokale Unter­nehmen und Kultur­in­sti­tu­tionen, um wissen­schaft­liche Meilen­steine, künst­le­rische Werke und die Stadt­ge­schichte Thorns auf anschau­liche Weise zu präsen­tieren. Das Besondere für die Besucher: Die Türen zu Orten, die der Öffent­lichkeit sonst unzugänglich sind – wie wissen­schaft­liche Labore oder die privaten Arbeits­räume von Forschern und Künstlern – standen dem Publikum an den Festival-Tagen offen.

Unter dem diesjäh­rigen Leitmotiv »Konti­nuität und Wandel« (Ciągłość i zmiana) bot das vielseitige Programm fast 150 Aktivi­täten, aufge­teilt auf fünf Schau­plätze und 21 Themen­blöcke. Das Motto spiegelte den Kern des Festivals wider: dass gesell­schaft­licher Fortschritt sowohl auf den soliden Funda­menten der Vergan­genheit ruht als auch auf dem Mut, immer wieder neue Fragen zu stellen.

Ein absoluter Publi­kums­magnet war der zweite Festival-Tag, an dem der histo­rische Altstädter Markt­platz unter dem Titel »Histo­ri­scher Alltag« zum Leben erwachte. Initiiert von der Fakultät für Geschichte, unter der Leitung von Dr. Michał Targowski und Sebastian Tauer M. A., inszenierten­Living-History-Akteure eine lebendige Zeitreise durch die Jahrhun­derte. Die Besucher flanierten zwischen mittel­al­ter­lichen und frühneu­zeit­lichen Bürgern, Stadt­wachen des 18. Jahrhun­derts, Weich­sel­flößern, wohlha­benden Fabrik­be­sitzern und armen Arbeitern der Gründer­jahre sowie Soldaten der Zwischen­kriegszeit. Untermalt von damals zeitge­nös­si­scher Grammophon- und Straßen­musik gab es ein ganz beson­deres Ereignis: Die gefeierte Schau­spie­lerin Helena Grossówna, ein großer Kinostar der 1930er Jahre und eine gebürtige Thornerin, chauf­fierte in einem Citroën-Oldtimer durch die Straßen der Altstadt – eine charmante Hommage, passend zum offizi­ellen, für 2026 ausge­ru­fenen Helena-Grossówna-Jahr in Thorn. 

Ein farben­froher Start in den Mai: Das Energa-Straßentheaterfestival Große Laternen, riesige Fabel­wesen, Mario­netten und überdi­men­sional große, animierte Puppen – vom 1. bis 3. Mai 2026 verwan­delte das ­12. Energa-Straßentheaterfestival die histo­rische Kulisse von Thorn in eine pulsie­rende Open-Air-Bühne. Das von der Stadt und dem Baj-Pomorski-Theater mitor­ga­ni­sierte Kultur­event lockte auch in diesem Jahr unzählige Einwohner und Touristen an.

Zur feier­lichen Eröffnung betonte Thorns Bürger­meister Paweł Gulewski die enorme Bedeutung des Festivals: Der blühende, sonnige Mai schenke den Menschen Energie, und auch Festivals seien ein wunder­barer Kataly­sator für den Kultur­tou­rismus. Dass dieses Konzept aufgeht, zeigen die Zahlen: 2025 besuchten 2,7 Mio. Touristen die Stadt.

Das dreitägige Programm umfasste insgesamt 34 Veran­stal­tungen mit Künstlern aus Polen, Spanien und dem Verei­nigten König­reich. Die Bandbreite reichte von famili­en­freund­lichen Insze­nie­rungen bis hin zu experi­men­tellen, zum Nachdenken anregenden Produk­tionen für ein genera­tio­nen­über­grei­fendes Publikum. Den fulmi­nanten Auftakt machte die spanische Show Pedro, die sich entlang des maleri­schen Weichsel­ufers auf dem Bulwar Filadel­f­ijski bewegte.

Neben klassi­scher Straßen­kunst bot das Festival auch Raum für die Reflexion moderner Techno­logien. Die Gruppe »WoRaZu« präsen­tierte mit Technosis. To Infinity and Beyond ein starkes Stück Performance-Theater: Inspi­riert von den Ideen des schle­si­schen Philo­sophen Józef Bańka und Elementen des Butō-Tanzes setzte sich die Kompanie kritisch mit digitaler Abhän­gigkeit und dem Verlust des Reali­täts­bezugs ausein­ander. Einen humor­vollen Kontra­punkt dazu setzte das »A3 Theatre« mit Senses, einem surreal-lyrischen Kabarett, das das Publikum durch inter­aktive Aktivi­täten, Musik und absurde Bilder aktiv einbezog.

Nach Einbruch der Dunkelheit verwan­delte sich Thorn in ein präch­tiges Lichtermeer. Die Later­nen­parade The Sun in the East, the Moon in the West: A Midsummer Night’s Dream – ebenfalls vom »A3 Theatre« – entführte das Publikum in eine von Mytho­logie und alten Riten inspi­rierte Traumwelt. Ein weiteres inter­na­tio­nales Highlight war der britische Enchanted Flower Globe, ein inter­ak­tives, illumi­niertes Spektakel, das die Gassen Thorns in einen begeh­baren, märchen­haften Garten voller botani­scher Wunder­wesen verwandelte.

Flankiert von Zirkus-Workshops, Musik- und Multimedia-Veranstaltungen zeigte sich das Theater hier in einer nieder­schwel­ligen Form: ohne Barrieren, ohne begrenzte Spiel­flächen und ohne Distanz. Ein urbanes Kunstfest, das den Stadtraum neu erfahrbar machte.

Zuzanna Foss