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Zeugnisse der mittelalterlichen Bebauung Thorns

Neue archäologische Funde unterhalb des Nikolaus-Kopernikus-Hauses

Einblick in die Ausgra­bungs­stätte auf dem Gelände des Kopernikus-Hauses: Fragmente der bisher unbekannten Holzkon­struk­tionen aus dem 13. Jahrhundert (Bildquelle: Quelle: PAP / Tytus Zmijewski)

Thorn ist seit langem als eine Stadt bekannt, deren Geschichte nicht nur in Chroniken aufzu­finden, sondern immer noch buchstäblich unter den Füßen ihrer Einwohner präsent ist. Deshalb bringt jeder bauliche Eingriff in die Struktur der Altstadt die Chance mit sich, neue materielle Spuren der Vergan­genheit zu entdecken. Dies war neuerlich im August 2025 der Fall, als archäo­lo­gische Unter­su­chungen am Nikolaus-Kopernikus-Haus – einem der bedeu­tendsten Baudenk­mäler der Stadt – begannen. Das Gebäude liegt in der Altstadt an der Nikolaus-Kopernikus-Straße 15/17 und gilt als Geburts­stätte des Univer­sal­ge­lehrten und Astro­nomen (1473–1543). 

Die Unter­su­chungen wurden von einem Archäologen-Team des Bezirks­mu­seums in Thorn (Muzeum Okręgowe w Toruniu) durch­ge­führt. Sie standen eines­teils im Zusam­menhang mit Bau- und Konser­vie­rungs­ar­beiten, andern­teils verfolgten sie auch ein umfang­reiches Forschungs­pro­gramm. Zu den Haupt­zielen des Projekts gehörten die Identi­fi­zierung der ältesten Phasen der Landnutzung auf dem Grund­stück, die Erfor­schung der Chrono­logie des Hofes und der Neben­ge­bäude, die Dokumen­tation der archi­tek­to­ni­schen Überreste und die Sicherung von Artefakten für weitere wissen­schaft­liche Analysen. Die Ausgra­bungen wurden nach den Grund­sätzen der strati­gra­phi­schen Archäo­logie (die auf der Analyse von Erdschichten beruht) durch­ge­führt, unter Nutzung zeich­ne­ri­scher und fotogra­fi­scher Dokumentations- sowie natur­wis­sen­schaft­licher Datie­rungs­me­thoden wie der Dendro­chro­no­logie (die auf der Analyse von Baumjah­res­ringen basiert).

Die Arbeiten bestä­tigten sich schnell als weit mehr denn routi­ne­mäßige archäo­lo­gische Siche­rungs­tä­tig­keiten – vielmehr eröffnen die Entde­ckungen im Innenhof und in den Neben­ge­bäuden einen neuen Blick auf die ältesten Entwick­lungs­phasen von Thorn, die bis zu den Anf ängen der Stadt­rechte zurückreichen. 

Das wichtigste und spekta­ku­lärste Ergebnis der Unter­su­chungen ist, dass sich unter dem Kopernikus-Haus Fragmente von Wänden, Balken und Boden­ele­menten befinden, die Überreste der – nunmehr freige­legten – Holzkon­struk­tionen eines hier ehemals befind­lichen Hauses aus dem 13. Jahrhundert sind. Der Erhal­tungs­zu­stand des Holzes hat sich als außer­ge­wöhnlich gut erwiesen, was präzise Labor­ana­lysen ermöglicht. 

Leszek Kucharski, der Leiter der Abteilung für Archäo­logie am Bezirks­museum, erklärte, dass es sich hierbei um die älteste Holzar­chi­tektur der Stadt Thorn handelt und dass das entdeckte Haus von Siedlern des Deutschen Ordens bewohnt worden sein könnte: »Die Deutsch­or­dens­ritter aus Alt-Thorn begannen mit der Erschließung dieses Gebiets. Sie siedelten die ersten von ihnen heran­ge­brachten Kolonisten genau hier an, im heutigen Altstadt­be­reich. Es sieht aus wie ein kleines Haus mit einer Umzäunung.« Kucharski führte aus, dass es sich höchst­wahr­scheinlich um »eine Art Hofanlage« mit einem Gehege für Tiere (Schweine oder Ziegen) handele. »Bis vor Kurzem ging man davon aus, dass der Deutsche Orden eintraf und sofort mit der Errichtung von Mauer­werks­bauten begann; doch wie sich heraus­stellte, war dies nicht der Fall. Dank dendro­chro­no­lo­gi­schen Unter­su­chungen werden wir eine präzise Datierung erhalten«, erklärte der Archäologe.

Neben den Überresten von Holzkon­struk­tionen wurden im Kontext der Grabungen zahlreiche beweg­liche Artefakte aus verschie­denen histo­ri­schen Epochen geborgen. Dazu gehörten Fragmente von Alltags­ge­schirr aus dem Spätmit­tel­alter und der frühen Neuzeit, Teile von Leder­schuhen (darunter Kinder­schuhe), Glas- und Textil­frag­mente sowie kleine Metall­ge­gen­stände des täglichen Gebrauchs. Diese Funde werden nun einer Langzeit­kon­ser­vierung unter­zogen und sollen künftig im Museum ausge­stellt werden, so dass die Einwohner und Besucher Thorns bald die Möglichkeit erhalten, diese materi­ellen Zeugnisse der ältesten Geschichte der Stadt, die über Jahrhun­derte unter der Erde verborgen waren, mit ihren eigenen Augen zu sehen. rtete weiter­füh­rende Fragen. Im Anschluss daran stand für die Gäste ein Sonderzug bereit, der sie über Braunsberg bis nach Allen­stein brachte.

Zuzanna Foss