In einem stillen Erdenwinkel: Ein Spaziergang über die Elbinger Höhe
(Brigitte Gawron-Strazzer, 4/2025, S. 6)
Ein Phönix aus der Asche. Die Kirche von Fischau wird wiedererrichtet
(Bartosz Skop, 4/2025, S. 9f.)
Ein Westpreuße, der ein gesamtdeutsches Original wurde. Zum Tod des Schauspielers Horst Krause (1941–2025)
(Burkhard Burau / WP-Redaktion)
Ein unentbehrlicher Beitrag zur deutschen Erinnerungskultur. Das Westpreußische Landesmuseum konnte sein 50-jähriges Bestehen feiern
(Erik Fischer, 3/2025, S. 6ff.)
Filmarchäologie statt Geschichtsdoku. Hermann Pölkings Kinofilm Ostpreußen – Entschwundene Welt. Die Jahre 1912 bis 1945
(Alexander Kleinschrodt, 3/2025, S. 9f.)
Das Pompeji von Thorn
(Zuzanna Foss, 3/2025, S. 10f.)
»Eine ganz andere Klientel im Haus als sonst« – Seit April 2024 leitet Martin Koschny kommissarisch das Westpreußische Landesmuseum
(Die Fragen im Interview mit Martin Koschny stellte Alexander Kleinschrodt, 2/2025, S. 6f.)
Begegnung mit dem Danziger Auerochsen. Die früheren Wehranlagen laden zu erholsamen Spaziergängen ein
(Ursula Enke, 2/2025, S. 8ff.)
Der Lech-Wałęsa-Flughafen Danzig. Eine Gratulation zum 50-jährigen Bestehen
(Peter Neumann, 4/2024, S. 5)
Geburtstagsfest in der Kleinen Dreistadt – Rahmel feiert sein 800. Stadtjubiläum
(Magdalena Pasewicz-Rybacka, 3/2024, S. 7f.)
Westpreußen-Medaille 2024
(Ursula Enke, 3/2024, S. 6f.)
Eine Botschaft von Conrad Steinbrecht – Zeitkapsel im Marienburger Alten Rathaus entdeckt
(WP-Redaktion, 2/2024, S. 8f.)
Eine faszinierende Reise mit der Zeitmaschine. Thorn – am 20. April 1924
(Zuzanna Foss, 2/2024, S. 6f.)
Endlich in ruhigerem Fahrwasser. Das Westpreußische Landesmuseum in Warendorf erhält eine kommissarische Leitung
(WP-Redaktion, 1/2024, S. 5)
Notizen aus …
Regelmäßig berichten Korrespondentinnen und Korrespondenten aus der Dreistadt und den größeren Städten – neben Danzig, Zoppot und Gdingen werden dabei Elbing, Marienburg, Graudenz, Thorn und Bromberg berücksichtigt. Die „Notizen“ informieren somit in bunter Folge und breit gestreut über aktuelle Vorgänge in der Region.
Notizen aus …
… der Dreistadt
Neuer Museumsbau Das Westerplatte-Museum, das mit dem Museum des Zweiten Weltkriegs (Muzeum II Wojny Światowej) verbunden ist, befindet sich an dem historischen Ort, an dem – gegenüber von Danzig-Neufahrwasser – am 1. September 1939 um 4.45 Uhr durch Schüsse des deutschen Schulschiffes Schleswig-Hollstein der Zweite Weltkrieg begann. Dieses dezentrale Museum hat nun ein repräsentatives Gebäude erhalten, das unlängst eröffnet worden ist. Es bietet ein modernes Besucherzentrum, in dem auch themenbezogene Veranstaltungen und temporäre Ausstellungen stattfinden können. Das Restaurant und der Meerblick laden überdies dazu ein, eine Pause einzulegen und sich zu rekreieren.
In der ehemaligen Energieversorgungsanlage der Westerplatte, dem Gebäude des Kraftwerks, wurde zudem die archäologische Ausstellung »Erinnerung im Boden aufgezeichnet. Archäologie der Westerplatte« (Pamięć w ziemi zapisana. Archeologia Westerplatte) eingerichtet, mit Exponaten, die auf dem bewaldeten Gelände der Halbinsel geborgen wurden. Die Ausgrabungen begannen im Jahre 2016, rund um die Reste ehemaliger Befestigungen, Gebäudeteile und Bombentrichter, mit dem Ziel einer vollständigen Dokumentation der Ereignisse. 2019 entdeckte man zudem die bisher unbekannten Überreste von neun polnischen Soldaten, 2024 dann noch vier weitere menschliche Überreste; auf dem ehemaligen Kasernengelände wurden auch Alltagsgegenstände gefunden. Bei den Grabungen gefundene Munitionsreste wurden von Pionieren der polnischen Armee abtransportiert und unschädlich gemacht.
Das Besucherzentrum und die Ausstellung bilden Teile eines umfangreichen Museumsprojektes, in dessen Rahmen noch weitere Gedenkorte entstehen sollen.
Maritimer Turbo Polen investiert verstärkt in seine maritime Wirtschaft. Im Zuge dieser Entwicklung hat der polnische Premierminister Donald Tusk die Umsetzung des Investitionsprogramms »Polnisches Meer« angekündigt. Das ehrgeizige Vorhaben umfasst beispielsweise den Bau neuer Schiffe, den Ausbau von Hafen-Infrastrukturen, die Wiederbelebung einheimischer Reedereien sowie die Verdreifachung des Containerumschlags in den Häfen Danzig, Stettin und Swinemünde. Diese Stärkung des maritimen Sektors erfolgt, so der Premierminister, im Geiste der »Repolonisierung« – einer Strategie, die die Regierung in allen Investitionsbereichen verfolgt: Aufträge sollen, wo immer möglich und ungeachtet aller Schwierigkeiten, die das internationale Wettbewerbsrecht bereiten könnte, an polnische Hersteller und Lieferanten vergeben werden. – Zum Zünden dieses »Turbos« zählt nicht zuletzt der Bau eines neuen Segelschulschiffs als Nachfolger der Dar Młodzieży, die schon seit 44 Jahren für wissenschaftliche und pädagogische Zwecke im Einsatz ist, sowie eines neuen Schulungs- und Forschungsschiffes, das die – im Besitz der Stettiner Meeresakademie befindliche – Nawigator XXI ersetzen soll. Beide Schiffe werden (selbstverständlicherweise) auf Danziger Werften gebaut und unter polnischer Flagge fahren.
Peter Neumann
Kommt ein Sanierungsende in Sicht? Das Langgasser Tor in Danzig ist ein bedeutendes Zeugnis der Stadtgeschichte sowie ein beliebtes Fotomotiv. Nach einem Entwurf von Abraham van den Blocke Anfang des 17. Jahrhunderts im Stil des flämischen Manierismus errichtet, ersetzte es einen mittelalterlichen Vorgänger, das Hohe Tor. Das prachtvolle Bauwerk wird auf beiden Seiten von jeweils vier Allegorien menschlicher Tugenden und staatspolitischer Ideale wie Prudentia (Weisheit) oder Pietas (Frömmigkeit) bzw. Pax (Frieden) oder Justitia (Gerechtigkeit) gekrönt. Über Jahrhunderte diente das Langgasser Tor als repräsentativer Eingang zur Rechtstadt und war Teil der Prozessionsroute polnischer Könige, die in Danzig einzogen.
Seit einigen Jahren jedoch ist das Tor nur sehr eingeschränkt wahrzunehmen gewesen, denn ein provisorischer Plattenzaun hat den Blick auf den Bau verstellt. Grund sind umfangreiche Sanierungsarbeiten, die mit der aufwändigen Erneuerung der Fassaden und Skulpturen voraussichtlich erst 2027 abgeschlossen sein werden. Nachdem letztlich neue Verzögerungen durch Finanzierungsfragen und komplexe Restaurierungsanforderungen drohten, den Fortschritt auszubremsen, ist nun ein wichtiger Schritt nach vorn getan worden: Nachdem die Ausschreibung im Juli zunächst ohne Ergebnis geblieben war, konnte Anfang August endlich ein Auftragnehmer für den zweiten Bauabschnitt bestimmt werden. Der polnische Architektenverband SARP, Eigentümer des Tores, vergab den Auftrag an die Danziger Firma Budkon. Sie setzte sich unter drei Bewerbern durch – obwohl ihr Angebot von 678.000 Złoty brutto rund 160.000 Złoty über dem des Konkurrenten Aurea Porta lag. Ausschlaggebend waren aber nicht allein die Höhe der Kosten, sondern vor allem überzeugende Referenzen sowie die vorbehaltlose Annahme des Vertragsentwurfs, die das Verfahren deutlich beschleunigte.
Nach der Unterzeichnung des Vertrages hat Budkon die Baustelle unverzüglich übernommen und mit der Sanierung und Konservierung der durchfeuchteten Mauern begonnen. Lose Putzteile sind entfernt worden, und das Fundament wurde bis zu einer Tiefe von 3 m freigelegt, damit das Mauerwerk trocknen kann. – Mit dem Beginn dieser Bauphase ist auch der bisherige Zaun demontiert worden. Geplant war stattdessen eine neue, ästhetisch ansprechendere Einfriedung mit historischen Aufnahmen, Informationstafeln und einem QR-Code, der zu einer virtuellen Besichtigung des Langgasser Tores führt. Dieser Plan ist aber bislang nicht umgesetzt worden. Gegenwärtig scheint es eher, als ob die Restaurierung wieder ruhte.
Adrian Wojtaszewski
… Elbing
Aufwändige Renovierung Neben vielen wertvollen Ausstattungsstücken aus unterschiedlichen Epochen gehören auch die Buntglasfenster, die zwischen 1969 und 1989 in mehreren Etappen entstanden sind, zum Stolz der St. Nikolai-Gemeinde. Konzeptionell angeregt vom früheren Probst Dr. Mieczysław Józefczyk, wurden die Glasmalereien nach Entwürfen Zdzisław Kulikowskis aus Thorn von Leonard Brzeziński aus Samter geschaffen. Die acht größten Fenster sind über 12 m hoch.
In den letzten Jahrzehnten wurden die Glasfenster durch die Verwitterung des Bleis, durch Ausbeulungen, die von Wettereinflüssen wie starkem Wind und heftigen Niederschlägen hervorgerufen wurden, sowie leider auch durch Vandalismus so stark beschädigt, dass in einigen Feldern mittlerweile mehrere Scheiben fehlen. Die Domgemeinde hat daraufhin im Juli mit der dringend gewordenen Reparatur der beschädigten Fenster begonnen. Da dies eine kostspielige Maßnahme ist und die Glasmalereien nicht unter Denkmalschutz stehen, ist sie gezwungen, diese Arbeiten aus eigenen Mitteln und Spenden zu finanzieren. Aus diesem Grund wird dieses Vorhaben noch einige Zeit in Anspruch nehmen.
Nur eine kurze Spanne Im Gegensatz zu großen Weihnachtsmärkten wie z. B. in Danzig, Krakau oder Breslau dauert der Elbinger in der Regel nur wenige Tage – in diesem Jahr fand er am Ende der ersten Adventswoche statt, vom Freitag, dem 5., bis zum Sonntag, dem 7. Dezember. Er ist zwar kürzer, hat aber gerade dadurch auch eine hohe Intensität. Der gesamte Alte Markt war mit Buden übersät, auf der Bühne präsentierten regionale Bands und Chöre ihr weihnachtliches Repertoire; neu waren Glühweintassen mit Abbildungen von Altstadthäusern; und sogar eine Vorkriegstradition wurde lebendig, denn es traten wieder Elbinger Adventsmütterchen auf. Eine besondere Attraktion war schließlich eine erstmals organisierte Parade von Traktoren, die in großer Zahl, mit Tausenden von Weihnachtslichtern geschmückt, durch die Stadt gefahren sind.
Bartosz Skop
… Marienburg
Wiederentdeckung Bei Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen, die das Denkmalamt der Woiwodschaft in Danzig veranlasst hatte, stellte sich heraus, dass ein filigranes Buntglasfenster, das sich seit Jahrzehnten in einem Lager befand, mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der Marienkirche im Hochschloss der Marienburg stammt. Das Restaurierungsstudio in Malbork stellte fest, dass das Buntglasfenster in der Sammlung des Malborker Museums als vermisst eingestuft worden war. Es erklärte außerdem: »Der Entwurf des Fensters ist auch in einer Farblithografie im Meyers Konversations-Lexikon enthalten. Die Lithografie zeigt verschiedene Buntglasstile, darunter ein Fragment eines Fensters, das dem derzeit restaurierten ähnelt.« Marcin Tymiński, der Sprecher des Denkmalamts bestätigte inzwischen, dass nun bereits die Einzelheiten der Übergabe geregelt würden.
or diesem glücklichen Fund waren schon drei weitere Glasfenster an das Schlossmuseum übergeben worden, die 1884 im Rahmen der von Conrad Steinbrecht geleiteten Restaurierungsarbeiten beim höchst renommierten »Königlichen Glasmalerei-Institut« in Charlottenburg bei Berlin in Auftrag gegeben worden waren. Diese Fragmente hatte ein 2018 gebildetes Team des Schlossmuseums aufgespürt: Es fahndet seitdem gezielt nach Bauteilen und Sammlungsstücken, die nach dem Kriegsende verlorengegangen sind.
Marek Dziedzic
… Thorn
Städte am großen Strom Mitten im Hochsommer fand auch in Thorn wieder das jährliche »Weichselfestival« statt. Dieses Fest verbindet Städte miteinander, die in der Region Kujawien-Pommern am großen Fluss liegen, und soll Gemeinsamkeiten der Traditionen sowie der Kultur und Bildung bewusst machen. Es begann diesmal am 8. August in Leslau und fand nach einer Woche, am 14. und 15. August, in Thorn seinen Abschluss – in jener bedeutenden Handelsstadt, die einst bewundernd als »Königin der Weichsel« bezeichnet wurde.
In diesem Jahr war die Festival-Route auf nunmehr acht Städte erweitert worden, und das Programm, das insgesamt 220 Veranstaltungen umfasste, war so umfangreich wie noch niemals zuvor. In Thorn waren etliche Attraktionen für verschiedenste Altersgruppen vorbereitet worden. Dazu gehörten beispielsweise Schiffsfahrten für die Öffentlichkeit wie eine »Kreuzfahrt mit Kopernikus« oder eine »Lebkuchen-Kreuzfahrt«, aber auch eine spektakuläre Parade mit Dutzenden traditioneller Boote und Schiffe oder mehrere Ruderregatten.
uch an Land kamen Einwohner und Gäste auf ihre Kosten. Eine besondere Messe – Vistula Flavours – bot Köstlichkeiten aus der regionalen Küche; an einer Vielzahl von Ständen wurden traditionelle Handwerkskünste vorgestellt, und es fehlte nicht an künstlerischen Darbietungen und Open-Air-Konzerten.
as Weichselfestival war auch 2025 ein großer Erfolg – nicht nur in Bezug auf die Programmgestaltung und die Besucherzahlen, sondern auch als Beitrag zur Entwicklung einer lokalen kulturellen Identität. In diesem Kontext fand am 14. August in Thorn eigens eine Konferenz von Kommunalpolitikern aus den Weichselstädten statt, die auf eine engere Kooperation untereinander sowie auf Planungsansätze für gemeinsame Projekte abzielte.
ToMUN 2025 Die Wortmarke »ToMUN« kennzeichnet eine Veranstaltung, die regelmäßig in Thorn stattfindet und im Klartext Toruń Model United Nations heißt. Diese Konferenz bietet eine internationale Simulation der Vereinten Nationen für Schüler der Oberstufe. Sie begann in diesem Jahr am 2. Oktober. Jugendliche aus Polen und dem Ausland, darunter den USA, aus Luxemburg, Deutschland oder den Niederlanden, traten als UN-Delegierte auf und diskutierten auf Englisch über die drängendsten Probleme der Welt. Diesmal lautete das Leitthema: »Die Wurzeln der Polarisierung verstehen, um Harmonie zu erreichen«.
Die Organisatoren von ToMUN wollen jungen Menschen die Erfahrung vermitteln, unter anspruchsvollen Rahmenbedingungen ihre Interessen artikulieren und zugleich mit anderen kooperieren zu können. Dabei haben sie zugleich die Möglichkeit, ihre rhetorischen Fähigkeiten weiterzuentwickeln und oft spannende Gesprächspartner aus aller Welt kennenzulernen.
Die Debatten, die über mehrere Tage liefen, wurden von der Nikolaus-Kopernikus-Oberschule Nr. 1 ausgerichtet und durchgeführt. Für diese Aufgabe ist die Schule vorzüglich geeignet, da sie – in ihren Ursprünge bis ins Jahr 1568 zurückreichend – die älteste in der Region und eine der ältesten in Polen ist. Diese lange Geschichte sowie das Aussehen des Gebäudes, das 1855 im neugotischen Stil erbaut wurde, schaffen eine gewisse mystische Atmosphäre. Nicht umsonst wird die Schule oft als »polnisches Hogwarts« bezeichnet. Auch den Namenspatron, Nikolaus Kopernikus, umweht eine besondere Aura – und passenderweise ist das Logo der Veranstaltung von einer kosmologischen Skizze zweier Planetenbahnen abgeleitet.
Hohe Auszeichnungen Die 25. Jubiläumsgala, auf der die Auszeichnungen des Marschalls der Woiwodschaft Kujawien-Pommern vergeben werden, fand am 30. September im Kultur- und Kongresszentrum Jordanki statt.
um Stolz der Stadt gingen die Auszeichnungen in acht der insgesamt 13 Kategorien an Personen und Institutionen, die mit der Nikolaus-Kopernikus-Universität verbunden sind. Für ihre herausragenden wissenschaftlichen Leistungen erhielt zudem die Polarstation in Spitzbergen, die von der Universität betrieben wird und in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert, einen Sonderpreis. Im Laufe der Jahre hat sie sich als höchst renommierte Forschungseinheit in der Arktis etabliert.
Auch in der Kategorie »Bildung« wurde eine Thorner Einrichtung prämiert. Den Preis erhielt das Nikolaus-Kopernikus-Gymnasium Nr. 1; aus der Hand des Marschalls Piotr Całbecki wurde er von der Schulleiterin Hanna Wrycza-Wilińska dankbar entgegengenommen. Da das Jahr 2025 in der Woiwodschaft zum Jahr der Kinder und Jugendlichen erklärt worden war, übernahm diesmal der Kinderchor der Pommerschen Philharmonie die Aufgabe, der Veranstaltung musikalischen Glanz zu verleihen.
Zuzanna Foss