»Zeigen, wie vielstimmig das kulturelle Erbe dieser Region ist« – Ein Interview mit Kerstin Dembsky, der neuen wissenschaftlichen Mitarbeiterin am Westpreußischen Landesmuseum
(Die Fragen im Interview mit Kerstin Dembsky stellte Alexander Kleinschrodt, 2/2026, S. 6f.)
Zeugnisse der mittelalterlichen Bebauung Thorns – Neue archäologische Funde unterhalb des Nikolaus-Kopernikus-Hauses
(Zuzanna Foss, 2/2026, S. 8)
Ein neuer Erinnerungsort der Stadtgeschichte – Einweihungsfeier in Rahmel
(Magdalena Pasewicz-Rybacka, 2/2026, S. 9)
»Fahren Sie zur Stadt, Schaffner?«
Seit 130 Jahren verkehrt in Elbing eine Straßenbahn
(Brigitte Gawron-Strazzer, 1/2026, S. 5f.)
Chronologische Stationen zur Geschichte der Elbinger Straßenbahn
(Brigitte Gawron-Strazzer, 1/2026, S. 6ff.)
Geste der Versöhnung
Restitution von Kulturgütern aus Warschau und der Marienburg
(Marek Dziedzic, 1/2026, S. 9)
In einem stillen Erdenwinkel: Ein Spaziergang über die Elbinger Höhe
(Brigitte Gawron-Strazzer, 4/2025, S. 6)
Ein Phönix aus der Asche. Die Kirche von Fischau wird wiedererrichtet
(Bartosz Skop, 4/2025, S. 9f.)
Ein Westpreuße, der ein gesamtdeutsches Original wurde. Zum Tod des Schauspielers Horst Krause (1941–2025)
(Burkhard Burau / WP-Redaktion, 4/2025, S. 9f.)
Ein unentbehrlicher Beitrag zur deutschen Erinnerungskultur. Das Westpreußische Landesmuseum konnte sein 50-jähriges Bestehen feiern
(Erik Fischer, 3/2025, S. 6ff.)
Filmarchäologie statt Geschichtsdoku. Hermann Pölkings Kinofilm Ostpreußen – Entschwundene Welt. Die Jahre 1912 bis 1945
(Alexander Kleinschrodt, 3/2025, S. 9f.)
Das Pompeji von Thorn
(Zuzanna Foss, 3/2025, S. 10f.)
»Eine ganz andere Klientel im Haus als sonst« – Seit April 2024 leitet Martin Koschny kommissarisch das Westpreußische Landesmuseum
(Die Fragen im Interview mit Martin Koschny stellte Alexander Kleinschrodt, 2/2025, S. 6f.)
Begegnung mit dem Danziger Auerochsen. Die früheren Wehranlagen laden zu erholsamen Spaziergängen ein
(Ursula Enke, 2/2025, S. 8ff.)
Notizen aus …
Regelmäßig berichten Korrespondentinnen und Korrespondenten aus der Dreistadt und den größeren Städten – neben Danzig, Zoppot und Gdingen werden dabei Elbing, Marienburg, Graudenz, Thorn und Bromberg berücksichtigt. Die „Notizen“ informieren somit in bunter Folge und breit gestreut über aktuelle Vorgänge in der Region.
Notizen aus …
… der Dreistadt
Einzigartiges Erbe: Gotische Portaltür der Danziger Marienkirche wird restauriert Die historischen Portale mehrerer Sakralbauten der Stadt Danzig gelten europaweit als exzeptionell. Nun steht ein besonders monumentales Prachtstück vor einer umfassenden Sanierung: Das gewaltige Eingangstor der Marienkirche, auf das die Frauengasse zuläuft, soll aufwendig konserviert und in seinem historischen Erscheinungsbild wiederhergestellt werden.
Wie Dr. hab. Katarzyna Darecka vom Danziger Museum (Muzeum Gdańska) betont, ist die Bauweise dieses Tors im kontinentalen Vergleich absolut einmalig. Das zu Beginn des 16. Jahrhunderts gefertigte Portal basiert auf massiven, vertikal angeordneten Holzbohlen. Darauf ist ein Gitterwerk in Form von Rauten aufgesetzt, die ihrerseits filigran mit hölzernen, vierblättrigen Maßwerk-Motiven ausgefüllt werden. Fixiert ist die gesamte Konstruktion mit kunstvollen, rosettenförmigen Ziernägeln. Dass in Danzig trotz der enormen Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges insgesamt zehn solcher gotischen Türen überdauert haben – darunter auch in der Dreifaltigkeits‑, Johannes- und Nikolaikirche –, gilt in der Fachwelt als Sensation.
Die anstehende Restaurierung wird zudem mit dem gängigen Vorurteil aufräumen, historische Kirchentüren müssten düster oder schwarz sein. Akribische Untersuchungen von Pigmentresten haben gezeigt, dass das Spätmittelalter überraschend farbenfroh war: Während die Innenseite des Tores vollständig in intensivem Rot gehalten war, erstrahlte die Außenseite ursprünglich in einem kräftigen Rot und Olivgrün. Ziel der nun anlaufenden Arbeiten ist es, nach der statischen Sicherung genau diese historische Farbpalette originalgetreu freizulegen und zu rekonstruieren, um dem Portal seinen Glanz aus dem Jahr 1500 zurückzugeben.
Meilenstein für das Gedenken: Grundstein für neues Westerplatte-Museum gelegt Auf der historischen Halbinsel Westerplatte, auf der jüngst erst das Besucherzentrum »Schlachtfeld Westerplatte« eröffnet worden ist (WP 4/2025), wurde nun feierlich der Grundstein für das neue Westerplatte-Museum gelegt. Die zukünftige Kultureinrichtung wird als eigenständige Außenstelle des Danziger Museums des Zweiten Weltkrieges realisiert. Nach aktuellem Zeitplan soll das geschichtsträchtige Großprojekt bis zum Jahr 2030 vollständig fertiggestellt sein. Das polnische Ministerium für Kultur und nationales Erbe stellt für das Bauvorhaben finanzielle Mittel in Höhe von über 304 Millionen Złoty zur Verfügung.
Das Museum entsteht direkt an jenem symbolträchtigen Ort, an dem am 1. September 1939 mit dem Beschuss der polnischen Stellungen der Zweite Weltkrieg in Europa ausbrach. Das übergeordnete Leitmotiv des Projekts ist eine unmissverständliche Mahnung: »Nie wieder Krieg!« (Nigdy więcej wojny!). Im Zentrum der Planungen steht ein moderner, teils unterirdischer Museumskomplex mit einer Nutzfläche von rund 7.000 Quadratmetern. Knapp 2.800 Quadratmeter davon sind für eine Dauerausstellung reserviert, die den heroischen Abwehrkampf der polnischen Garnison, das persönliche Schicksal der Soldaten sowie die historische Entwicklung der Halbinsel multimedial beleuchtet.
Ein besonderes Anliegen der Denkmalschützer ist die etappenweise Rekonstruktion des ehemaligen Militärischen Umschlagsdepots (Wojskowa Składnica Tranzytowa) im Zustand der 1930er Jahre. So wird unter anderem das einstige Munitionslager originalgetreu und genau an der Stelle wiederaufgebaut, an der nun der Grundstein eingemauert wurde.
Professor Rafał Wnuk, Direktor des Museums des Zweiten Weltkrieges, betonte während der Zeremonie den Anspruch, einen hochkarätigen Bildungs- und Gedenkort zu schaffen, der jährlich Tausende Menschen anziehen soll. Danzigs Stadtpräsidentin Aleksandra Dulkiewicz hob hervor, dass die Westerplatte fest im Identitätskern der Stadt verwurzelt sei und das neue Areal als Brücke für den internationalen Dialog dienen müsse. Während die archäologischen Ausgrabungen und Erdarbeiten auf dem Gelände noch andauern, sollen erste fertiggestellte Abschnitte des historischen Außenbereichs bereits in der zweiten Jahreshälfte 2027 wieder für die Öffentlichkeit und den Tourismus freigegeben werden.
Geste des Gedenkens und der Kooperation Im Rahmen einer gemeinsamen Auslandsreise haben Spitzenpolitiker aus Norddeutschland am Danziger Denkmal für die Verteidiger der Polnischen Post ein deutliches Zeichen des historischen Gedenkens und der partnerschaftlichen Verbundenheit gesetzt. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) legten in einer feierlichen und stillen Zeremonie Kränze nieder, um den heldenhaften Widerstand der polnischen Postbeamten gegen die deutschen Invasoren am 1. September 1939 zu würdigen.
Dass Danzig die erste Station der gemeinsamen Reise der beiden norddeutschen Regierungschefs war, ist kein Zufall. Bei ihrem anschließenden Empfang im Rechtstädtischen Rathaus durch Danzigs Stadtpräsidentin Aleksandra Dulkiewicz hoben die Politiker die erhebliche Bedeutung der wirtschaftlichen und maritimen Kooperation im Ostseeraum hervor. Danzig verfügt heute über einen der größten und modernsten Seehäfen Europas, während Hamburg als zentraler Handelsknotenpunkt an der deutschen Nordeeküste fungiert. Die Intensivierung dieser hanseatischen Hafen- und Handelspartnerschaften soll die wirtschaftliche Stabilität in Nord- und Mitteleuropa weiter festigen.
Neben den wirtschaftlichen Aspekten spielten bei dem Arbeitsbesuch auch geopolitische Fragen eine zentrale Rolle. Günther und Tschentscher betonten, dass die Reise in Zeiten internationaler Spannungen auch ein klares Signal der Solidarität an die osteuropäischen Nachbarn senden soll. Man stehe geschlossen hinter den gemeinsamen Werten und sei fest entschlossen, einen verlässlichen Beitrag zur Stärkung des NATO-Bündnisses und zur Sicherheit in der Ostseeregion zu leisten. Adrian Wojtaszewski
Adrian Wojtaszewski
… Elbing
Elbings Orientierung nach Westen Die Stadt will sich der geplanten Metropolregion des Danziger Pommern (Pomorze) anschließen, über deren Bildung im Rahmen eines Gesetzgebungsverfahrens sowohl der Sejm als auch der Senat in Warschau beraten haben. Diese »Metropole« soll Regionen und Städten rund um die Dreistadt zusammenschließen und zwischen ihnen mannigfache enge Kooperationen – von der Wirtschaft über die Kommunalverwaltung bis zum öffentlichen Verkehr – ermöglichen. Mit dieser Teilhabe bemüht sich Elbing darum, die alten organischen Bindungen an Danzig wiederzubeleben und zu stärken, denn die 1999 vollzogene Zuordnung der Stadt zur Woiwodschaft Ermland und Masuren – und damit zu Allenstein – hat sich bislang nicht zuletzt aufgrund der erheblichen Entfernung als wenig vorteilhaft erwiesen und wird von vielen Bürgern auch weiterhin abgelehnt. – Bei den Beratungen forderten die Abgeordneten der PiS zwar, dass Elbing die Grenzen der eigenen Woiwodschaft respektieren solle, und sprachen sich deshalb gegen das Anliegen der Stadt aus. Glücklicherweise wurden diese Einwände beim Beschluss über den Metropolverband vom Senat allerdings nicht berücksichtigt. Nun wartet das Gesetz auf die Unterschrift des Präsidenten Karol Nawrocki.
Bahnhofsrenovierung Das in Fachwerkbauweise errichtete Bahnhofsgebäude von Grunau (Gronowo Elbląskie) stammt noch aus den 1850er Jahren, in denen dieser Abschnitt der Ostbahn gebaut wurde. Nun soll es bald grundlegend renoviert werden. Die Pläne liegen vor, und die Polnische Staatsbahn hat bereits die entsprechenden Ausschreibungen veröffentlicht. Unter den Bedingungen, dass dabei den Erfordernissen des Denkmalschutzes Genüge getan wird, kann das Gebäude nun modernisiert und an die heutigen Standards angepasst werden. Es wird jedoch nicht nur den Reisenden dienen, denn die Gemeinde hat sich verpflichtet, Räumlichkeiten mit einer Gesamtfläche von rd. 300 m² für das Sozialamt, die Öffentliche Bibliothek sowie das Standesamt anzumieten. Dank dem Umbau wird der Bahnhof gänzlich barrierefrei, und auch seine Umgebung wird durch neue Trottoirs und Parkplätze sowie eine gärtnerische Gestaltung der Grünflächen deutlich an Attraktivität gewinnen.
Bartosz Skop
… Marienburg
Reanimierung der Strecke 256 Die historische Bahnstrecke 256 durch das Werder erwacht zu neuem Leben. Nach jahrelangem Stillstand und kuriosen Rückschlägen – wie dem Diebstahl von mehreren hundert Metern Gleisen im Jahr 2015 – haben die Sanierungsarbeiten begonnen. Ziel ist die Wiederanbindung von Tiegenhof und Neuteich (Nowy Staw) ans Schienennetz. Für Vizemarschall Leszek Bonna steht nach der Einigung mit dem Netzbetreiber definitiv fest: »Es werden wieder Züge fahren.«
Diese Entscheidung ist ein Meilenstein für den letzten Landkreis der Woiwodschaft Pomorze, der bislang noch vom Bahnverkehr abgeschnitten war. Neben der Alltagsmobilität bietet das Projekt enorme kulturelle und touristische Chancen. Wie schon während einer kurzen Renaissance bis 2013 können Reisende bald wieder die idyllische Landschaft des Deltas erkunden. Im Sommer lockt zudem der Umstieg auf die historische Schmalspurbahn direkt an die Ostseestrände.
Aktuell werden fehlende Gleise ersetzt und Bauschutt entfernt, um die grundlegende Befahrbarkeit wiederherzustellen – eine umfassende Modernisierung folgt später. Es ist ein kraftvolles Signal für eine Region, die Geschichte, sanften Tourismus und Mobilität klug miteinander verbindet.
Kata-Meisterin Großer Erfolg – die Marienburgerin Marta Kaczyńska vom Karate-Club Kwidzyn Nippon (hier mit einem Offiziellen des Verbandes) erkämpfte sich bei den Europameisterschaften im Kyokushin-Karate im bulgarischen Warna eine Bronzemedaille. In der eng umkämpften Disziplin Kata (Altersklasse 35–49) trennten die drei Podiumsplätze nur jeweils 0,1 Punkte voneinander. Nach dem Vize-Titel im Vorjahr hat Sensei Kaczyńska damit eindrucksvoll ihren Platz in der europäischen Elite gefestigt.
Das neue Alte Rathaus Die Sanierung des Alten Rathauses – und die Errichtung des modernen Anbaus – nähern sich ihrer Vollendung. Das anspruchsvolle Projekt gibt dem Gebäude unter strenger Aufsicht des Denkmalschutzes seinen historischen Charakter zurück und macht es gleichzeitig zukunftsfähig.
Während die Fassade, das Dach sowie der Vorplatz samt Brunnen mit der Statue des Armbrustschützen fertig sind, liegt der Fokus aktuell auf dem Innenausbau. Die Integration moderner Technik in das alte Gebäude forderte die Planer heraus, wobei ein wunderbarer Zufallsfund das Projekt krönte: Bei den Arbeiten wurden historische Wandmalereien (Polychromien) entdeckt, die nach Abschluss der Renovierung für Besucher ebenfalls zugänglich sein werden.
Die Fertigstellung ist für Spätsommer 2026 geplant. Danach kehrt wieder Leben in das Herz der Altstadt zurück: Das historische Rathaus wird dann zu einem zentralen Treffpunkt für Ausstellungen, Kunstkurse und kulturelle Begegnungen.
Besuch eines Filmstars Oscar-Preisträger Jeremy Irons besichtigte am 3. Juni die Marienburg. Museumsführerin Jagoda Gmyrek erlebte den britischen Schauspieler dabei als überaus herzlichen und interessierten Gast. Der 77-Jährige hält sich aktuell in der Stadt auf, weil er hier für eine Neuverfilmung des Kult-Klassikers »Highlander« vor der Kamera steht.
Marek Dziedzic
… Thorn
Das »Haus unter dem Stern« erstrahlt aufs Neue De historischen Patrizierhäuser von Thorn bergen viele faszinierende Geschichten. Zu den bekanntesten Gebäuden zählt sicherlich das »Haus unter dem Stern« (Kamienica pod Gwiazdą) am Altstädter Marktplatz 35, mit seiner spätbarocken, von einem goldenen Stern gekrönten Prachtfassade. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut, ist seine heutige Form das Ergebnis zahlreicher Umbauten und Renovierungen. Namhafte historische Persönlichkeiten gingen hier im Laufe der Jahrhunderte ein und aus: darunter der italienische Humanist und Diplomat Filippo Buonaccorsi – Erzieher der Söhne von König Kasimir IV. Jagiello und Freund der Familie von Nikolaus Kopernikus – sowie Prinz Jerzy Dominik Lubomirski, der im Jahr 1724 an der Untersuchung des »Thorner Tumults« beteiligt war.
Seit 1970 beherbergt das markante Gebäude eine weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Zweigstelle des Thorner Bezirksmuseums, die auf die Sammlung fernöstlicher Kunst spezialisiert ist. Dieses renommierte Museum wurde sieben Monate lang einer gründlichen Renovierung unterzogen, die sowohl die kostbare Bausubstanz der historischen Fassade als auch sämtliche Ausstellungsräume umfasste; überdies wurde die Dauerausstellung auf allen Etagen neu konzipiert, und so konnte am 10. April ein weitgehend modernisiertes Haus – das nun den Namen »Museum für asiatische Kunst« (Muzeum Sztuki Azji) trägt – feierlich wiedereröffnet werden.
Neben optisch aufgewerteten Innenräumen sorgen jetzt moderne Multimedia-Kioske und Audio-Guides für ein zeitgemäßes interaktives Museumserlebnis. Zudem stehen den Besuchern ab sofort zwei spezialisierte Besichtigungsrouten zur Auswahl: eine, die sich der asiatischen Kunst widmet, und eine zweite, die sich explizit auf die Architektur und Geschichte des Gebäudes selbst konzentriert. Das Herzstück des Hauses bleibt dabei auch weiterhin die Ausstellung »Die Welt des Orients«. Sie geht maßgeblich auf den Sammler Tadeusz Wierzejski (1892–1974) zurück, der wertvolle Artefakte aus China, Japan, Tibet, Siam und Indien – darunter Gemälde, Holzschnitte, Skulpturen, Samurai-Waffen, Keramiken und Textilien – zusammengetragen hat.
Ein besonderes Highlight erwartet die Besucher zudem im Innenhof des Gebäudes. Während der Sommersaison lädt dort ein über 200 Quadratmeter großer, asiatisch gestalteter Garten inklusive eines traditionellen Teepavillons zum Verweilen ein. Auch wenn Asien geografisch weit von der Weichsel entfernt liegt, gelingt dem »Haus unter dem Stern« ein faszinierender Brückenschlag, der Besucher beim Betreten augenblicklich in eine Welt voller Mystik, Tradition und neuer ästhetischer Erfahrungen entführt.
Wissenschaft trifft Kunst: Ein Festival bewegt Thorn Was verbindet mittelalterliche Flößer, hochmoderne Laboratorien und eine Kino-Diva der 1930er Jahre miteinander? Sie alle fanden vom 24. bis zum 27. April eine Bühne auf dem 24. Thorner Festival für Wissenschaft und Kunst (Toruński Festiwal Nauki i Sztuki) – ein Austausch, der von der Nikolaus-Kopernikus-Universität, dem Rathaus und der »Wissenschaftlichen Gesellschaft« der Stadt gemeinschaftlich organisiert wurde. Ziel der Großveranstaltung war es, über partizipative und transdisziplinäre Wissenschaftskommunikation eine Brücke zwischen Forschung, Kunst und der Gesellschaft zu schlagen; aus diesem Grund gehört das Festival auch dem in diesem Bereich führenden europäischen Netzwerk der European Science Engagement Association (EUSEA) an.
Neben Mitarbeitern der Universität beteiligten sich zahlreiche lokale Unternehmen und Kulturinstitutionen, um wissenschaftliche Meilensteine, künstlerische Werke und die Stadtgeschichte Thorns auf anschauliche Weise zu präsentieren. Das Besondere für die Besucher: Die Türen zu Orten, die der Öffentlichkeit sonst unzugänglich sind – wie wissenschaftliche Labore oder die privaten Arbeitsräume von Forschern und Künstlern – standen dem Publikum an den Festival-Tagen offen.
Unter dem diesjährigen Leitmotiv »Kontinuität und Wandel« (Ciągłość i zmiana) bot das vielseitige Programm fast 150 Aktivitäten, aufgeteilt auf fünf Schauplätze und 21 Themenblöcke. Das Motto spiegelte den Kern des Festivals wider: dass gesellschaftlicher Fortschritt sowohl auf den soliden Fundamenten der Vergangenheit ruht als auch auf dem Mut, immer wieder neue Fragen zu stellen.
Ein absoluter Publikumsmagnet war der zweite Festival-Tag, an dem der historische Altstädter Marktplatz unter dem Titel »Historischer Alltag« zum Leben erwachte. Initiiert von der Fakultät für Geschichte, unter der Leitung von Dr. Michał Targowski und Sebastian Tauer M. A., inszeniertenLiving-History-Akteure eine lebendige Zeitreise durch die Jahrhunderte. Die Besucher flanierten zwischen mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bürgern, Stadtwachen des 18. Jahrhunderts, Weichselflößern, wohlhabenden Fabrikbesitzern und armen Arbeitern der Gründerjahre sowie Soldaten der Zwischenkriegszeit. Untermalt von damals zeitgenössischer Grammophon- und Straßenmusik gab es ein ganz besonderes Ereignis: Die gefeierte Schauspielerin Helena Grossówna, ein großer Kinostar der 1930er Jahre und eine gebürtige Thornerin, chauffierte in einem Citroën-Oldtimer durch die Straßen der Altstadt – eine charmante Hommage, passend zum offiziellen, für 2026 ausgerufenen Helena-Grossówna-Jahr in Thorn.
Ein farbenfroher Start in den Mai: Das Energa-Straßentheaterfestival Große Laternen, riesige Fabelwesen, Marionetten und überdimensional große, animierte Puppen – vom 1. bis 3. Mai 2026 verwandelte das 12. Energa-Straßentheaterfestival die historische Kulisse von Thorn in eine pulsierende Open-Air-Bühne. Das von der Stadt und dem Baj-Pomorski-Theater mitorganisierte Kulturevent lockte auch in diesem Jahr unzählige Einwohner und Touristen an.
Zur feierlichen Eröffnung betonte Thorns Bürgermeister Paweł Gulewski die enorme Bedeutung des Festivals: Der blühende, sonnige Mai schenke den Menschen Energie, und auch Festivals seien ein wunderbarer Katalysator für den Kulturtourismus. Dass dieses Konzept aufgeht, zeigen die Zahlen: 2025 besuchten 2,7 Mio. Touristen die Stadt.
Das dreitägige Programm umfasste insgesamt 34 Veranstaltungen mit Künstlern aus Polen, Spanien und dem Vereinigten Königreich. Die Bandbreite reichte von familienfreundlichen Inszenierungen bis hin zu experimentellen, zum Nachdenken anregenden Produktionen für ein generationenübergreifendes Publikum. Den fulminanten Auftakt machte die spanische Show Pedro, die sich entlang des malerischen Weichselufers auf dem Bulwar Filadelfijski bewegte.
Neben klassischer Straßenkunst bot das Festival auch Raum für die Reflexion moderner Technologien. Die Gruppe »WoRaZu« präsentierte mit Technosis. To Infinity and Beyond ein starkes Stück Performance-Theater: Inspiriert von den Ideen des schlesischen Philosophen Józef Bańka und Elementen des Butō-Tanzes setzte sich die Kompanie kritisch mit digitaler Abhängigkeit und dem Verlust des Realitätsbezugs auseinander. Einen humorvollen Kontrapunkt dazu setzte das »A3 Theatre« mit Senses, einem surreal-lyrischen Kabarett, das das Publikum durch interaktive Aktivitäten, Musik und absurde Bilder aktiv einbezog.
Nach Einbruch der Dunkelheit verwandelte sich Thorn in ein prächtiges Lichtermeer. Die Laternenparade The Sun in the East, the Moon in the West: A Midsummer Night’s Dream – ebenfalls vom »A3 Theatre« – entführte das Publikum in eine von Mythologie und alten Riten inspirierte Traumwelt. Ein weiteres internationales Highlight war der britische Enchanted Flower Globe, ein interaktives, illuminiertes Spektakel, das die Gassen Thorns in einen begehbaren, märchenhaften Garten voller botanischer Wunderwesen verwandelte.
Flankiert von Zirkus-Workshops, Musik- und Multimedia-Veranstaltungen zeigte sich das Theater hier in einer niederschwelligen Form: ohne Barrieren, ohne begrenzte Spielflächen und ohne Distanz. Ein urbanes Kunstfest, das den Stadtraum neu erfahrbar machte.
Zuzanna Foss